Vom Nicht-Tun und Nichts-Tun

Wir alle haben Wünsche und Erwartungen an das Leben. Das Leben hat uns gelehrt, dass wir viel tun müssen, um uns diese Wünsche erfüllen zu können. Wenn wir z. B. nicht viel genug Arbeiten  bzw. wenn wir uns nicht um den richtigen Job gekümmert haben, der genug Geld einbringt, dann haben wir zu wenig Geld um uns gewisse materielle Dinge leisten zu können.

Oft geht es uns so, dass wir ein furchtbar schlechtes Gewissen haben, weil wir zuwenig für unsere Kinder, für unsere Beziehungen, für den Haushalt, für den eigenen Körper tun. Wir tun entweder zuwenig oder nicht das Richtige, damit wir zufrieden mit uns selber sein können, oder soll ich sagen im Frieden mit uns selbst sein können. So hetzen wir von einem Termin zum nächsten, um ja unsere Mitmenschen nicht zu enttäuschen, um ja nichts zu versäumen um ja alles getan zu haben, damit der Laden läuft. Ständig müssen wir uns mit allem möglichen beschäftigen, wir müssen uns um alles kümmern, um Haushalt, Garten, um den täglichen Broterwerb, um Menschen, die uns wichtig sind, um den Einkauf, ums Auto, um die Arbeitskollegen und um uns selbst, um unsere Gesundheit, um die Fitness und Figur. Wir haben immer Lebensfelder, die wir scheinbar vernachlässigen. Deshalb plagt uns oft das schlechte Gewissen. Gönnen wir uns Auszeit und Ruhe, können viele von uns das nur kurzzeitig genießen, sonst würde das schlechte Gewissen ins Unendliche wachsen und uns vielleicht sogar eines Tages wie ein wütendes Monster auffressen.

Tue nichts, und lasse nichts ungetan“ Dieser Spruch aus dem Tao Te King klingt wie ein Paradoxon. Meines Erachtens ist es auch eins. Tue nichts, und lasse nichts ungetan!

Also, was jetzt? Entweder ich tue was oder ich tue nichts. Mit unserem analytischen Verstand werden wir hier nicht weiter kommen. Er funktioniert nur linear, d. h. er denkt nur zweidimensional, nämlich in Raum und Zeit. Deswegen wird er es so nicht greifen können.

Tue nichts, und lasse nichts ungetan. Wenn wir uns unser ganzes Tun und Streben incl. des schlechten Gewissens vom Spiegelgesetz her betrachten, werden wir schon eher fündig.

Wenn ich ständig das Gefühl habe, viel für alles, was ich erreichen will und scheinbar auch erreichen muss, tun zu müssen, gebe ich genau hier meine Energie hinein. D. h. mein ganzer Fokus liegt auf, ich muss viel tun um zu erreichen. Nun kann mir das Leben auch nichts anderes mehr spiegeln. Die Mitmenschen und Situationen, die dann auf mich zukommen, müssen mir nun zeigen, wo mein Fokus liegt. Ich werde gefragt, ob ich mich schon um dieses oder jenes gekümmert habe, oder mir wird zu verstehen gegeben, weil ich mich hier zuwenig angestrengt habe, verläuft die Situation unbefriedigend. Das Leben kann mir nur das wiedergeben, was ich aussende. Wenn ich aussende, ich bin nicht gut genug, spiegelt es mir, ja du bist nicht gut genug. Wenn ich aussende, ich darf nicht zur Ruhe kommen, sonst vernachlässige ich zuviel, zeigt mir das Leben ja du darfst dich nicht ausruhen, sonst vernachlässigst du alles.

So lebe ich  in meinem eigenen Universum und fühle mich als Opfer der äußeren Umstände. In Wirklichkeit habe ich nur Energie ausgesendet, die zu mir zurück kommt. Ist das nicht ein wunderbares Spiel, ja ein wunderbares menschliches Spiel, das wir spielen?

Das Wichtigste ist erstmal zu erkennen, das ich hier „nur“ Energie aussende, die zu mir zurückkommt und sich hier meine eigene Realität formt. Wenn ich dieses Prinzip zunächst mal verstanden haben, ist der nächste Schritt dran. Ich weiß aus eigener Erfahrung, das man in dieser Phase oft in alte Muster zurücksinkt, denn jeder von uns hat einfach soundso viele Jahre in diesem Muster gelebt. Oft kann der Verstand bzw. will das Ego, das nicht begreifen, dass es nur meine eigene Energie ist, die zurückkommt. Zu „echt“ wirken die Vorwürfe, die missbilligenden Blicke oder Enttäuschungen unserer Mitmenschen oder die eigene Enttäuschung über das nicht Erreichte.

Es ist in dieser Phase wichtig sich selbst nicht zu verurteilen, wenn man das alte Muster nicht sofort erkennt bzw. dem hilflos gegenüber steht und scheinbar nichts tun kann. Womit wir ja schon wieder beim TUN wären.

Es gibt hier nichts zu tun. Wir dürfen nur anerkennen und loslassen. Das ist alles. Es IST alles in Ordnung so, wie es ist.

Man darf aber das Nicht-Tun nicht mit nichts tun verwechseln. Hier ist nicht gemeint, dass wir fortan in der Ecke sitzen müssen und nur das Leben auf uns zukommen lassen sollen. Nein, wir sollen nicht in einer Art Lebensstarre oder Koma verfallen.

Es geht viel mehr um Absichtslosigkeit. Sobald in uns ein „müssen, dass…..“ entsteht, ist unser Tun nicht mehr absichtslos, sondern zielgerichtet. Jetzt heißt es nämlich „müssen, dass…….sonst…..“ Wenn wir dies und das nicht tun, kommt etwas Unerwünschtes auf uns zu. Unser Tun ist somit nicht in der Freiheit und Absichtslosigkeit, sondern ist verbunden mit dem schlechten Gewissen.

Es wird uns am Anfang schwer fallen nicht in ein  „Tun müssen“ zu verfallen und unser Tun in der Absichtslosigkeit zu halten. Dies kann ein schwieriger Prozess sein, dem wir uns aber immer wieder hingeben sollten. Der Lohn dafür ist gigantisch.

Das Universum kennt unsere Ziele und Wünsche genau. Sie sind gesetzt sobald sie innerlich oder laut ausgesprochen sind. Das Leben wird uns nun alles bereitstellen, was es zu tun oder nicht zu tun gibt. Es entsteht ein Flow. Diesen Flow erkennen wir an der Leichtigkeit. Wenn es leicht von der Hand geht, wenn sich die Dinge wie von selber einstellen, dann sind wir im Flow, wir sind eins mit unserer Seele, mit dem Universum. Jeder von uns kennt es ,wenn sich Dinge wie von selbst eingestellt haben, wenn sie leicht gingen. Am Ende angekommen staunen wir oft, wie sich alles gefügt hat. Rückblickend werden wir erkennen, dass wir hier in der Absichtslosigkeit waren und erwartungslos die Dinge auf uns zukommen ließen. Wir werden erkennen, dass wir gar nicht so viel getan haben und trotzdem bekommen haben, ja vielleicht sogar mehr bekommen haben, als wir uns das vorher hätten vorstellen können.

Immer dann wenn es schwer geht, wenn wir uns anstrengen müssen, haben wir uns unbewusst hinausgekickt aus dem Flow. Das Gleiche gilt für die Alltäglichkeiten des Lebens, die wir glauben erledigen zu müssen. Auch hier sind wir aufgerufen immer wieder die Resettaste zu drücken und uns zu fragen, ob das nun wirklich dran ist getan zu werden, oder ob es gilt loszulassen. Oft greifen wir uns unbewusst die Aufgaben anderer, weil wir glauben es sei unsere Pflicht Hilfe zur Verfügung zu stellen. Die wahre Herausforderung ist das Nicht-Tun, Soseinlassen können. Unser Bewusstheit wird immer wieder gefordert sein, zu unterscheiden.

Wir können uns hier nur immer wieder selbst erkennen und wieder umkehren wenn wir uns verlaufen haben. Frei nach dem Motto, jeder Moment ist neu jeder Moment ist anders.

Jeden Moment in meinem Leben kann ich nützen um ein Leben zu verändern.

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